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Nordhausen: Wie ein Unternehmer trotz Rückschlägen für eine Zukunft mit Wasserstoff kämpft

Eine junge Firma aus Nordhausen hat sich restrukturiert und kann sich so auf einem schwierigen Markt auch ohne Fördermittel behaupten.

Nordhausen. Die Firma Maximator Hydrogen, die in Nordhausen Wasserstoff-Tankstellen herstellt, hat ein schwieriges Jahr hinter sich. „Wir mussten uns aufgrund der Marktentwicklung restrukturieren. Dieser Prozess ist uns gut gelungen“, sagt Geschäftsführer Mathias Kurras beim Besuch von Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW), der im Rahmen seiner Sommertour am Dienstag in Nordhausen Station machte.

Bis zu 50 Mitarbeiter musste das Unternehmen entlassen und verfügt derzeit in Nordhausen über knapp 150 Arbeitskräfte. Das ist für Kurras aber kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Wasserstoff ist für ihn zur Leidenschaft geworden, „eine Leidenschaft, die leiden schafft“, wie er betont. Er glaubt fest an die Zukunft und Nachhaltigkeit des Brennstoffes, der im Gegensatz zu Benzin oder Diesel schadstofffrei emittiert wird.

Dreimal für Förderung beworben, dreimal gescheitert

Maximator hat seine Aktivitäten aufgrund des schwierigen deutschen Marktes, wo zuletzt das Wasserstoff-Tankstellen-Netz von 80 auf 50 reduziert wurde, verstärkt auf das europäische Ausland ausgeweitet. „Wir haben eine Wasserstoff-Tankstelle im Geirangerfjord in Norwegen gebaut, um dort die großen Kreuzfahrtschiffe betanken zu können“, nennt er ein Beispiel. Oder in Jyväskylä in Finnland sowie in den Niederlanden. Neue Projekte betreffen Italien mit fünf Tankstellen in der Nähe von Mailand und zwei Anlagen in Polen.

„In der Summe sind wir bei 70 verkauften Tankstellen angekommen“, rechnet Kurras vor. Das seien zwar weitaus weniger als die 100 Anlagen, die man in den 2021 gebauten Werkshallen jährlich produzieren könnte. Aber immer noch genug, um im Jahr etwa 50 Millionen Euro Umsatz zu erwirtschaften. Zudem setze man nicht nur auf die Produktion von Tankstellen, sondern entwickle als zusätzliche Standbeine die Verdichtertechnik weiter und fertige auch Trailer-Abfüllanlagen an.

Ein Problem für Maximator Hydrogen ist auch die fehlende Förderfähigkeit. „Wir haben uns bereits dreimal auf verschiedene Programme beworben und sind dreimal gescheitert“, berichtet Kurras. „Wir erfüllen die Bedingungen nicht, weil wir nicht im TVEN-Korridor der transeuropäischen Verkehrsnetze oder in deutschen Stadtregionen liegen“, erläutert der Nordhäuser.

Umweltminister Tilo Kummer kann auch keine großen Hoffnungen auf eine Landesförderung machen. „Ich habe am Montag eine Förderrichtlinie für nachhaltige Mobilität unterschrieben“, sagt er in Nordhausen. Aber das dort zur Verfügung stehende Geld werde kaum ausreichen, um für Unternehmen wie Hydrogen große Sprünge zu machen.

Also muss die Nordhäuser Firma andere Wege beschreiten, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Mathias Kurras schwebt ein Wasserstoff-Cluster für den Südharz vor. Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs, schwere Nutzfahrzeuge, Müllsammelfahrzeuge oder Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr könnten umgerüstet werden, um mit Wasserstoff betrieben zu werden. Mögliche Akteure seien die Nordhäuser Verkehrsbetriebe, die Stadtwerke, die Thüringer Polizei, die Hochschule oder Unternehmen aus dem Kreis Nordhausen.

Doch das sei nur der Anfang. Kurras kann sich ein Wasserstoffnetz für Ostdeutschland vorstellen, bei dem Maximator einen Marktanteil von bis zu 70 Prozent bei den Tankstellen besitzt. Das Netz würde aus 44 Tankstellen bestehen, von denen Maximator 31 beisteuert. Derzeit gibt es acht Wasserstoff-Tankstellen in Ostdeutschland, fünf weitere sind geplant.

Und auch die Kostenseite hat der Nordhäuser ausgerechnet. Ein Kilogramm getankter Wasserstoff würde 15,20 Euro kosten, was einem Kilometerpreis von 1,07 Euro entspricht. „Damit befinden wir uns auf dem derzeitigen Dieselniveau“, rechnet Kurras gegen.

Hans-Peter Blum ( Thüringer Allgemeine)